Evolutionsgeschichtlich haben sich zwei Systeme bei uns entwickelt um uns an die Erfordernisse der Umwelt anzupassen:

  • die sogenannte Stressachse, welche auf humoralem (durch Ausschüttung von Hormonen) Weg funktioniert.
  • das autonome Nervensystem unterteilt in Sympathikus und Parasympathikus welches neuronal (elektrisch über Nervenimpulse) gesteuert wird und jeweils als erstes aktiviert wird bei Bedarf. 

Stressachse

Ist ein durch Hormone gesteuertes komplexes Aktivierungssystem beginnend im Hirnstamm (Hypothalamus) über die Hirnanhangdrüse (Hypophse) zur Nebennierenrinde, welches das Hormon Cortisol ausschüttet. Wenn überstimuliert kommt es zu einer dauernd erhöhten Ausschüttung mit negativen Auswirkungen bis hin zu Schädigungen in Hirnstrukturen mit den entsprechenden zunehmenden Einschränkungen von Hirnfunktionen (verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration, Abnahme der exekutiven Funktionen und der response Inhibition dh. der allgemeinen cerebralen Steuerungsfähigkeit,  Einschränkung von Merkfähigkeit und Gedächtnis visuell und verbal) welche mit der Zeit chronifizieren. Das kann bis zu schwer reversiblen kognitiven Defiziten führen. Cortisol führt zu einer objektivierbaren Verminderung der cerebralen grauen Substanz (dh. der Hirnzellen). Die Neurogenese (die Regeneration und das Wachstum von Nervenzellen) wird gebremst.

Autonomes Nervensystem

Das autonome Nervensystem ist in verschiedensten Hirnarealen lokalisiert. Die Verbindung zum Körper erfolgt durch zwei oft komplementär wirksame Systeme. Das Sympathische Nervensystem, welches für die Aktivierung verantwortlich ist und das Parasympathische Nervensystem welches für die Homöostase und regenerative Prozesse verantwortlich ist. Dabei schreibt man zunehmend dem zum Parasympatikus zugehörenden Vagusnerv eine dominierende Rolle zu. Dysfunktionen hier können zu ernsthaften körperlichen Störungen führen, zB. können hohe Katecholaminwerte (vom Sympathikus ausgeschüttetes Adrenalin) zu Nekrosen (Zelltod) im Herzmuskel führen. Das Risiko einer Herzerkrankung wird so um das 3-4 fache gesteigert.

Die folgende Tabelle zeigt exemplarisch zwischen den beiden Systemen bestehende gegenteilige Wirkmechanismen, die oft komplementär wirken und so sinnvoll und integral den jeweils erforderlichen Zustand herbeiführen:

PARASYMPATHISCHES NERVENSYSTEMSYMPATHISCHES NERVENSYSTEM
EinleitungSteuert und kontrolliert homöostaische und regenerative Prozesse.Aktiviert körperlichen Kampf-oder-Flucht-Modus.
FunktionSteuert die regenerativen Prozesse des Körpers während des Ruhezustandes.Steuert die Reaktion des Körpers während einer wahrgenommenen Bedrohung.
LokalisationVagus (Hirnnerv), sacrale Wirbelsäule Rückenmark, Brust- und Lendenwirbelsäule
Aktiviert RegenerationRuhezustand und VerdauungKampf-oder-Flucht
Neuronale WegeLängere Wege, schnelleres SystemSehr kurze Wege, langsameres System
Allgemeine KörperreaktionDownregulation und Homöostase; Wiederherstellung des Körpers zum Ruhezustand.Allgemeine Aktivierung, Muskeltonus und Vigilanz steigen. Deaktiviert Funktionen, die nicht überlebensnotwendig sind.
Herz-Kreislauf-System (Herzfrequenz)Verringert die HerzfrequenzErhöht Kontraktion und Herzfrequenz
LungensystemBronchien verengen sichBronchien erweitern sich
Bewegungsapparat (Muskeltonus)Muskeln entspannen sichMuskeln spannen sich an
PupillenVerengen sichErweitern sich
Magen-Darm-SystemVerdauungsfunktionen Magenbewegung und Sekretion werden aktiviertVerdauung Magenbewegung und Sekretion werden gebremst
SpeicheldrüsenDie Speichelproduktion nimmt zuDie Speichelproduktion nimmt ab
NebenniereKeine BeteiligungSchüttet Adrenalin aus
Glykogen zur GlukoseumwandlungKeine BeteiligungErhöht sich; wandelt Glykogen zu Glukose für Muskelenergie um
HarnwegeZunahme der UrinproduktionAbnahme der Urinproduktion

source: diffen.com